Chaos-Life

Hier läuft nichts rund…

Artikel / Blogeinträge

Beispiele…

-Hopp hopp – Weihnachten ist jetzt!-

 

Der Countdown läuft.
Bald ist es wieder soweit und überall rennen die moppeligen Irren in roten Mänteln und mit Jutesack über der Schulter durch die Straßen und müssen sich von klebrigen Kinderhändchen begrabschen lassen.
Als Zugabe werden großzügig Grippeviren und resistente Keime in die weißen Bärte genießt.

Falls ihr der Meinung seid „Weihnachten, ach das dauert doch noch lange“, dann schaut euch mal die hektischen Frauen und Feiertagsfanatiker an, die schon jetzt einen kochenden Bluthochdruck haben. Eine cholerische Meute.
Der Shoppingkanal läuft Tag und Nacht.
Sollte es einer wagen auch nur in die Nähe der Fernbedienung zu kommen… keine gute Idee.
Geschenkpapier, Karten und Lichterketten werden nonstop bestellt. Dann wird der Postbote zur Schnecke gemacht, weil er nicht binnen 24 Stunden, sondern erst nach 24 Stunden und drei Minuten auf der Matte steht.
Die heiß ersehnten Pakete werden bestialisch aufgerissen, der Inhalt inspiziert und verteidigt wie Gollum seinen Ring.

Auf Mamis Dekolleté macht sich der alljährliche hektische Ausschlag und ein kreisrunder Haarausfall zwischen den Locken bemerkbar. Egal.
Selbst, wenn ihr jetzt beide Arme abfallen würden, die Weihnachts-Maschine läuft auf Hochtouren und die Motoren sind nicht mehr zu stoppen.
Den Kindern wird Stift und ein Blatt Papier in die Hand gedrückt und sie werden dazu genötigt einen Brief bzw. Wunschliste an den Weihnachtsmann zu schreiben. Hausaufgaben? Klassenarbeiten? Unwichtig.

Der Ehemann wird dreimal in der Wochen in den Wald gejagt, damit er schon mal den perfekten Baum, der natürlich niemals ihrer Vorstellung entspricht, aussuchen und reservieren kann.
Ist das gewünschte Objekt gesichtet worden, darf er dem Baum nicht von der Seite weichen. Mit Flinte, Stacheldrahtzaun und Megafon, werden Mensch und Tier in die Flucht geschlagen. Die Nahrungsaufnahme besteht nur noch aus Suppe aus der Thermoskanne. Hygiene? Ein Dixiklo.
Schlafen? Auf der Isomatte im Einmannzelt.

Obwohl das Acht-Gänge-Menü seit Jahren immer dasselbe ist, werden Omas Rezepte aus der Truhe gekramt.
Abgestaubt, neu sortiert, umgeschrieben, um zurück in die Box gestopft. Sollte eventuell die Idee einer neuen Kreation aufkeimen, werden Josef Lafer oder Tim Mälzer um drei Uhr früh aus dem Bett geklingelt und um Rat gefragt.
Aber das Menü bleibt trotzdem beim alten.

Nun wird der Metzger aufgemischt.
Die Bestellung mit der exakten Grammzahl, Bio-Background und Fettgehalt präzise eingeprügelt. Am liebsten würde sie die Gans (die arme Sau) persönlich mästen und stündlich wiegen.
Dreimal in der Woche wird der Karpfenteich inspiziert.
Die armen Fische träumen davon die Koffer zu packen und auswandern zu können.
Einige haben dem Druck nicht mehr standgehalten und sind selbstmörderisch an Land gehüpft.

Freunden und Nachbarn werden subtil bis aggressiv auf den Zahn gefühlt, welche Pläne sie dieses Jahr in puncto Außendekoration haben.
Dann wird gerechnet, ausgemessen und weiter eingekauft.
Die Beleuchtung muss so viel Volt haben und blendend grell sein, dass man erst nach einer Stunde wieder sehen kann. Singende und lachende Plastikrentiere haben die verdammte Pflicht zu beeindrucken. Wenn Frau Meyer die korrekte Anzahl von neun (Dasher, Dancer, Prancer, Vixon, Comet, Cupid, Donner, Blitzen und Rudolf) im Vorgarten drapiert hat, kauft Sigrid Schneider einfach noch drei weitere und behauptet, dass Santa Claus schon immer Zwölf hatte. Punkt – Aus – Ende.

Mittlerweile hat Mami drei Kilo abgenommen.
Aber das Licht am Ende des Tunnels ist erkennbar. Nur noch fünf Wochen.
Toys R Us, rollt jedesmal den roten Teppich aus, wenn sich die konsumfreudige Furie dem Spielzeugparadies nähert.
In der Küchen werden Gasherd, vier Bräter und das Tranchierbesteck sterilisiert, poliert und in Stellung gebracht, als würde eine Herz OP anstehen.

Jetzt muss der Neffe herhalten.
Die Weihnachtsbeschallung fehlt noch.
Natürlich hat der pubertierende Teenager voll Bock seine kostbare Freizeit für die durchgedrehte Tante zu opfern.
Aber nachdem er einen Blick in die rot glühenden Augen und auf den Schaum vor ihrem Mund geworden hat, nickt er nur kurz und macht sich an die Arbeit.
Er ackert die ganze Nacht durch, natürlich viel zu langsam, und hat auf einem USB Stick mit der Speicherkapazität von einem Terabyte, alle nervigen, traditionsreichen Weihnachtslieder abgespeichert.
„Alle Jahre wieder“, gepaart mit Bing Crosby und von „Last Christmas“ abgerundet.
Zwischendurch werden für die Kinder die verschwitzen Nikolausstiefel befüllt und der Adventskalender mit einer Nagelpistole an die Wand geschossen.

Bei vielen löst der Weihnachtsstress nur Kopfschütteln und Gänsehaut aus.
Aber: Planung darf nicht unterschätzt werden.
Millionen von tranigen Schlaftabletten und Last-Minute-Einkäufern gibt es jedes Jahr.
Die wachen dann am 24.12. ganz verdattert um 13h auf.
Wundern sich, dass Weihnachten schon wieder da ist. So plötzlich und überraschend.
Dann werden die Geschäfte panisch abgegrast, aber nichts gefunden.
Ein Glück, dass es Tankstellen gibt.
Da ist die große Frage, ob man lieber bei der Perfektionistin zu Gänsebraten eingeladen werden, oder die Weihnachtstage bei einem Mikrowellen Hot Dog mit sich selber verbringen möchte.

 

 
 …ein wenig Lust auf Nostalgie?

 

Die wahren Superhelden: Die drei ???

 

Neee, nicht schon wieder so ein röchelnder Zombie, dem ein Auge auf der rechten Backe klebt.
Krimiserien, die immer und immer wieder nach demselben Schema ablaufen sind so fesselnd wie ihre deutschen Plagiate.
Und die ausgelutschten Quizsendungen hängen mir schon zum Hals raus. Witzig wird es nur, wenn ein Kandidat zu fragen wagt „War die Frage nicht erst gestern bei Jauch?“ Dann schüttelt der betroffene Moderator so heftig den Kopf, bis die Nackenwirbel knacken und er beteuert hoch und heilig, dass es so etwas in seiner Sendung nicht passieren würde. Dass der hauseigene Notar vorher alles geprüft hätte.
Aber selbst ich, die nur ab und zu diese spannenden, nervenzerreißenden Quiz-Shows einschaltet, habe ständig ein Déjà-vu. Nach einer Sendung auf ARD, der zweiten auf RTL und der dritten auf Sat1, kann ich bei der nächsten x-beliebigen Ratesendung die hundert Milliarden Euro Frage im Schlaf beantworten.
All diese drögen und abgehalfterten Fernsehformate nerven. Ich habe die Schnauze gestrichen voll.
Ich gehe zurück zu den Wurzeln. Zu Hörspielen!!! Zu den drei ???.

Nostalgie pur und dank dem Internet muss ich meinen geschundenen, treuen und heiß verehrten ITT Kassettenrekorder nicht aus dem Keller buddeln.
Mit imaginären Bonitos, Banjo, Leckmuschel und Bazooka hocke ich mich aufs Sofa und klicke „Die drei ??? und der Superpapagei“ an.
Übrigens: Capri Sonne und Chipsletten gibt es sogar heute noch. Rate ich aber dringend von ab. Die Erinnerung an das Junkfood ist leckerer, als sie heute tatsächlich schmecken. Ich habe beides erst letzte Woche ausprobiert und das hatte einen Zuckerschock und faden, pappigen Geschmack im Mund zur Folge.
Bereits während die Titelmelodie der drei ??? trällert, kriege ich Gänsehaut. Besser, als alle soziopathischen Serienkiller und menschenfressende Monster zusammen.

Justus, Tante Matilda und der Chauffeur Morton ziehen mich in wenigen Minuten in den Bann. Selbst, wenn ich viele Folgen in- und auswendig kenne, der Spaß ist ungebrochen. Der nervige Papagei Blacky, der listige Monsiuer Hugenay oder Erzfeind Skinny Norris sind treue Begleiter und Charaktere, die mit den drei jungen Detektiven verschmolzen sind.
Justus der Klugscheißer, Peter Shaw, die feige Memme und Bob der Bücherwurm. Die ersten berühmten Nerds.
Nach Folge 34 (Die drei ??? und der rote Pirat) realisiere ich, was an den Hörbüchern und Geschichten so faszinierend ist.
Warum mich gerade die älteren Folgen so beeindrucken und zum Lachen bringen. Kriminelle werden als Schuft, Tagedieb und Schurken bezeichnet. Jegliche vulgäre Bezeichnungen wie Motherfucker, Wichser etc. gab es damals offiziell noch nicht.
Es waren keine prolligen Dialoge mit „Jetzt gibt es eins auf die Fresse“ nötig. Ein „Aua, der Gauner hat mir eine geklebt“ reichte völlig aus.
Die Handlung kam auch ohne Terror, Cybermobbing oder Kinderschändern aus. Mal war es ein gestohlenes Gemälde, sprechender Totenkopf oder ein schreiender Wecker, die als Hauptzutat für ein spannendes Hörvergnügen ausreichten.

Die Jungs benutzen sogar mal ein Fahrrad, um von A nach B zu kommen, helfen der Omi pflichtbewusst über den Zebrastreifen und wenn eine Kassiererin bei Aldi einen Cent zu viel herausgegeben hat, finden sie keinen Schlaf, wälzen sich im Nachtschweiß, von Alpträumen gepeinigt, bis sie den Betrag zurückgezahlt haben.
Es ist wie ein Streicheln der Seele. Eine Kur für geschundene, überlastete TV Augen. Keine steifen Silikon-Möpse, keine Protagonisten, die ihr Leben nur noch im Suff meistern können. Keine Leiche, die mit Säure im Gesicht und zerstückelt in eine Kiste gestopft wurde.
Geheimtinte aus Zwiebelsaft und selbstgemachtes Grafitpulver um Fingerabdrücke zu sichern, waren damals eine Sensation.

Justus, Peter und Bob waren praktisch die Wegbereiter für CSI, NCIS, HWI, FNR, CNI… Ohne die drei Kollegen wären die heutigen Drehbuchautoren ideen- und arbeitslos.
Wenn der erste Detektiv damit prahlt, dass ihre Zentrale (ein ausrangierter Wohnwagen) mit Hightech ausgestattet ist, bedeutet das: sie besitzen ein analoges Telefon (mit Wählscheibe!) und einen geheimen Notausgang. Im Klartext, ein Loch im Fußboden.
Apropos Telefon. Die berühmte und oft eingesetzte Telefonlawine! Eine hocheffiziente Ermittlungsmethode, ganz ohne Internet und Smartphone.
Ich bin nicht die einzig Verrückte, die immer noch ein drei ??? Fan ist.

Sechsjährige Jungs, pubertierende Gören, Hedgefonds Manager und 97 Jahre alte Senioren schmelzen noch heute bei den Hörspielen dahin.
Bis heute werden neue Fälle geschrieben und vertont. Alle drei Sprecher touren seit Jahren durch ganz Deutschland und lesen live einen drei ??? Fall. Die Hallen sind jedesmal ausverkauft.
Und was machen Justus Jonas alias Oliver Rohrbeck, Peter Shaw (Jens Wawrczeck) und Bob Andrews (Andreas Fröhlich) sonst noch so?
Achtete mal auf die Stimme von Edward Norton und Ethan Hawke. Das ist Bob Andrews. Außerdem synchronisierte Andreas Andy Serkis als Gollum/ Sméagol in „Herr der Ringe“.
Oliver Rohrbeck kennt man z. B. als Stimme von Theo Huxtable (Bill Cosby Show), Ben Stiller, Ich – Einfach unverbesserlich, und Greg German in der Serie „Ally McBeal“.
Jens Wawrczeck spricht Spence in „King of Queens“, Arrested Development und der Serie „24“.

Alle drei Herren (sind ja mittlerweile auch schon aus dem Teenageralter herausgewachsen) haben hunderte von Hörbüchern, Serien und Filmen eingesprochen und sogar produziert.
Ich hoffe, dass uns die fiktiven Jungs, aber vor allem die original Sprecher, noch lange erhalten bleiben.
Ich erwarte, dass sie auf dem Sterbebett noch eine letzte Folge charmant und voller Elan ins Mikro hauchen.

 

 

 

     … bist du feige?

 

 

– Promis ziehen den Schwanz ein –

 

Die Verleihung der Golden Globes 2018 war ein hollywoodreifer Beweis für Verlogenheit und Scheinheiligkeit.

Mit großer Klappe und viel Tamtam wurde angekündigt, dass es in diesem Jahr ein Dresscode geben sollte: Schwarz. Frauen (und auch einige Männer) wollten somit ein Zeichen gegen Sexismus setzen. Ihre Botschaft lautete, Schluss mit sexuellen Übergriffen und der Ausnutzung von Machtpositionen in der Filmindustrie. Tod der Besetzungscouch.

Ein nettes Statement. Leider war die Umsetzung lächerlich. Und dann kamen sie. Ganz brav, wie abgesprochen, in Schwarz. Jede Abendrobe schrie nach Luxusdesigner. Der Schlitz im Kleid ging bis unter die Achselhöhle und die durchsichtigen Stoffe zeigten Bauchnabel und Nippel.

Die Möpse wurden zur Schau gestellt, als wäre es der VENUS Award in Berlin (Pornomesse) und nicht der Golden Globe. Wie war nochmal der Standpunkt? Was lautete die Aussage?

Wären die Herrschaften nicht so feige gewesen, dann hätten sie allesamt in Jeans, Flip-Flops und T-Shirt antanzen müssen. Opfer, die von Harvey Weinstein oder Bill Cosby missbraucht worden sind, wurden entweder erst gar nicht eingeladen, oder dürften nichts sagen. Anscheinend ist es für berühmte Persönlichkeiten ebenso schwierig, Zivilcourage und Rückgrat zu zeigen, wie für normal Sterbliche.

Heuchelei und Doppelmoral blieben die Sieger.
Der gute Wille bleibt auf der Strecke.
Beispiele, die sich in gleich nebenan abspielen. Offiziell werden großzügig Schecks für den Umweltschutz ausgestellt und zu Hause in der Garage stehen drei spritfressende SUVs.

Vegan leben, aber in Schlangenlederstiefeln auf die jährliche Pelz-Modenschau gehen.

Sich über die Kirche aufregen, aber jeden Sonntag brav aufstehen mit der Herde das Vaterunser herunterleiern.

 

 

 

   … heute schon geliked?

 

 

– Facebook Fluch und Segen –

 

Ich liebe meine Facebook Freunde. Alle 5.059.871.

Jeden habe ich mir hart erarbeitet und an Land gezogen. Umschmeichelt und geliked und freue mich immer noch diebisch, wenn ich einen weiteren ködern kann.

Doch manchmal, nur manchmal, beschleicht mich das Gefühl, dass ich nicht mehr hundert Prozent bei der Sache, interessiert bin und mir die Begeisterung und Konzentration fehlt, wenn ich zum hundertsten mal fremde Selfies bejubeln muss. Wir Facebook-Groupies lassen uns durch nichts beirren. Der Wille ist ungebrochen, das Handy immer voll aufgeladen und jederzeit schussbereit.

Ein ganz gewöhnlicher Tag:

Die ersten Fotos kommen um 05:45 eingetrudelt. Das Motiv: ein Wecker. Er zeigt auf 05:45. Ein paar Bilder von einem Duschvorhang, dem neuen Shampoo und zwei neuen Pickeln werden semiprofessionell ausgeleuchtet und detailliert kommentiert.

Dann folgt ungefragt ein Schnappschuss von der Rolle Klopapier. Hiermit wird signalisiert, dass es jetzt aufs Töpfchen geht. Der dazugehörige Text lautet „…jaaa, das neue Müsli lohnt sich echt eye, die mega vielen Ballaststoffe haben ihre Arbeit getan. Boah, bin nun zwei Kilo leichter…“.

Warum zwingen wir Freunden, Feinden und Fremden unser Leben auf? Intime und persönliche Bilder werden großzügig ins Netz gestellt.
Damit sind noch nicht einmal nackte Hintern und Möpse gemeint. Bilder von Beerdigungen und das eigene verheulte Gesicht, frisch geborene Säuglinge oder Szenen eines Ehekrachs, werden minutiös gepostet. Sogar der Blinddarmdurchbruch wird erst ins Netz gestellt, bevor der Notarzt alarmiert wird.

Da liegt die Vermutung nahe, dass wir uns nur noch freuen, ärgern und feiern/besaufen können, wenn uns alle dabei zusehen. Wenn mindestens 80% der „Freunde“ meine Bilder vom Abendessen suuuuper finden. Egal, ob es ein Butterbrot, Miracoli oder eine Sushi Platte ist.

Jeder Schritt der Zubereitung wird zelebriert und online gestellt und die zusammengestückelte Pampe schmeckt erst dann, wenn die ersten „Daumen-hoch“ aufblinken bzw. eintrudeln.

So definieren wir unser Leben. Unsere Highlights, damit der Alltag nicht mehr ganz so normal und trist dahinplätschert. Der 0815 Homo sapiens hat ein Bankkonto, das so lala ist. Die Familie mit 1,5 Kindern ist o.k. bis annehmbar und die Karriere durchschnittlich. Einmal im Jahr grummelt der Chef „Nicht schlecht gemacht“, jedes Schaltjahr gibt es die Missionarsstellung. Das Abi-Treffen besteht zurzeit aus neun Ehemaligen und die Hobbys setzen sich aus Simsen, Kegeln und Netflix zusammen.

Facebook durchbricht den Trott.
Private Ereignisse (mit)teilen, nach positiven Reaktionen hecheln, macht Spaß und steigert unser Selbstwertgefühl. Warum nicht?
Kontakte pflegen oder Verwandte im dunkelsten Peru aufspüren, werden zu Highlights am deprimierenden Montagmorgen.

Die Normalität hängt uns allen aus dem Hals raus. Meine Person, mein Leben, meine Leistungen sollen geschätzt werden. Beneidet werden. Selbst, wenn die Bestätigung von „Igor-Hot-32“ kommt und man keinen blassen Schimmer hat, wer das ist.

Mitgefühl und Anteilnahme von unbekannten Menschen läuft runter wie Öl. Nach der Entfernung von Hämorrhoiden flutscht die Genesung doch gleich viel besser, wenn hundert Leute „OOOh , Ahhhh, Gute Besserung“ mailen. Logisch, ab und zu wird die Realität ein wenig beschönigt, zurechtgebogen oder retuschiert. Aber das machen doch alle.

Da wird der Jahresurlaub in der Eifel bei Pension Müller zu einem sechswöchigen Survivaltraining in Neuseeland gehypt, aufgerüscht und frisiert. Die neu erstandene (sechs Jahre) Familienkutsche wird zu einem PS starken, fabrikneuen, Maserati.

Früher war alles besser…

…oder nicht?
Die sogenannte Komfortzone lautete einst: Privatsphäre schützen.
Bilder, wie man sich in einer Jogginghose, mit ungewaschenen Haaren und einer Pulle Bier auf dem Sofa lümmelt, TABU. Heute ist es cool oder witzig vertrauliche Details aus dem Leben zu knipsen, online stellen und alles und jeden zu kommentieren bzw. zu dokumentieren.

Ganze Sätze sind am Aussterben, denn Wortfetzen wie „…geil…genau…lach…“ reichen völlig aus. Mittlerweile fühle ich eine Art von Facebook-Burnout. Die stündlichen Fotos und Infos grenzen an einer Reizüberflutung. Vielleicht sollte ich mal versuchen 24 Stunden nicht auf Facebook zu gehen. Quatsch, war nur ein Witz. So, und jetzt gehe ich mir ein gesundes 3-Gänge-Menü kochen. Dann steht Kultur und Bildung auf dem Programm. Dann ein wenig Sport und später treffe ich mich mit ein paar Freunden.

Im Klartext:

Ravioli, Chips und Gummibärchen – DSDS oder Dschungelcamp – ich laufe in den Keller um noch zwei (neun) Flaschen Kölsch zu holen iss ja auch anstrengend und dann schau ich mal, was meine Facebookfreunde so alles treiben.