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Stalker-Nicki… wie alles begann

30. Januar 2021 Tagebuch
Stalker-Nicki… wie alles begann

Niemand kann dem großen C-Wort entkommen.

Es kam schleichend aus dem Land der Allesverschlinger, wurde von uns lange belächelt und ignoriert und dann war es da und die Schotten wurden dichtgemacht. Soziale Kontakte finito. Einzelhandel niente. Schule tillräckligt. Party nix. Frisör zero, Messen & Events over and out. Hat mich alles kaltgelassen. Ich habe das neue Leben ertragen, akzeptiert und gemeistert.
Meine persönlichen Erleuchtungen und Lifechanger waren:
Die Entdeckung von 5-lagigem Toilettenpapier, weil es vielen zu teuer erschien und verschmäht wurde, meine Skills betreffend Zoom, Microsoft Teams, Google Meet, Skype sind von 0 % auf 36 % geschossen und ich habe die Bestätigung erhalten, dass Menschen ihren wahren Charakter in Krisensituationen offenbaren, ihre Maske fallen lassen und Gier, Egoismus und Doofheit ungeniert (und in kaum erträglicher Menge) ausleben.

Das war der erste Lockdown.
Nun hocke ich im zweiten Lockdown.

Irgendwie ist alles schwerer zu ertragen, nerviger und trübsinniger.
Die langen Haare werden mit Kabelbinder oder Einmachgummi gebändigt, die zwei neuen Speckröllchen mit der Jogginghose im Zaum gehalten, aber die Einsamkeit, der harte Cut Treffen und Kontakte einzustellen, trifft mich hart.
Die Häufigkeit meiner Selbstgespräche explodiert und werden immer selbstverständlicher, häufiger und verschrobener.

Und heute… heute ist es passiert. Ich habe die Grenze überschritten, durch das Verlangen nach Menschen im Real Life, einem Gespräch und Dialog, nach Aktion-Reaktion, habe ich mich meinem Verlangen hingegeben und eine klassische Übersprunghandlung provoziert.
Ich bin in den dm gefahren. Nur so. Obwohl ich überhaupt nichts gebraucht habe.

Ich bin durch die Regale geschlendert, als wäre ich auf einem gut beheizten und überdachten Weihnachtsmarkt, ohne Glühwein, und mir wurde das erste Mal bewusst, welche skurrile Vielfalt bzw. Artikel so ein Drogeriemarkt anbietet. Tampons und Biomüsliriegel. Kulturbeutel und Abführmittel, Hirsekolben für den Sittich, Clownsperücken und Batterien, Insektizide und einen Foto-Service. Also im Prinzip: Alles.
Es hätte mich nicht überrascht, wenn ich über einen Satz Winterreifen gestolpert wäre.

Auf meiner schrägen Bummeltour, gerade, als ich überlege, ob ich vielleicht eine Konfirmationskarte kaufe, die ich nicht brauche, beobachte ich eine Seniorin in Gang vier.
Die kleine Omi ist tief über eine Packung Haartönung in ihrer Hand gebeugt und versucht die winzige Schrift zu lesen.
Ich flitze pfeilschnell zu der Kundin.

Nach wenigen Sekunden weiß ich, was der Dame zu schaffen macht. Sie würde einfach gerne etwas über das Produkt, die Inhaltsstoffe und den Farbton wissen.
Meine wochenlange Abgeschiedenheit hat einen richtigen Lagerkoller zur Folge und so lese ich alles vor, was die Verpackung hergibt. Danach lese ich ihr auch den kompletten Beipackzettel vor. Diese Zeremonie ziehe ich geschickt, aber freundlich in die Länge, indem ich immer wieder meine Meinung einstreue und Begriffe, die wir beide nicht verstehen, googel.

Aus irgendeinem Grund denkt die Lady, dass ich eine Verkäuferin bin und ist ganz hin und weg.
Nachdem wir alle Tipps, die gesamte Anwendung und Warnhinweise durchgegangen sind, soll ich doch bitte zu der korrekten Farbe raten.
Und hier muss ich sagen, ich hätte passen müssen. Zum einen, weil ich ja keine Ahnung und keine Erfahrung von dem Produkt hatte und zum anderen, weil ich minimal farbenblind bin.

Natürlich habe ich weiter auf die Kacke gehauen und die arme Omi (sehr wahrscheinlich) in eine komplett falsche Haarfarbe reingequatscht.

Was soll ich sagen? Ich war happy, Omi war happy und ich glaube nicht, dass ihr die schräge Farbnuance auffallen wird, da sie ja eh Probleme mit der Sehkraft hat.

PS: Da ich das Geschäft nicht mit leeren Händen verlassen wollte, habe ich mir aus Verlegenheit einen richtig hässlichen Zahnputzbecher gekauft, den ich nicht brauche.